Mit Grundsätzen, aber ohne Mollis und Möpse!

Hartz IV

Mehr Stress als leitende Angestellte?

http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/dak-arbeitslose-sind-gestresster-als-leitende-angestellte-a-975709.html

Und ich dachte schon, es sei eine persönliche Schwäche, dass ich mein Gerümpel kaum auf die Reihe bekomme.

Eine Million kleiner Baustellen, kaum zu koordinieren, permanent klamm und am Rechnen, wie ich bis zum Monatsende hinkommen soll. Dazu ständige Absagen auf Bewerbungen in praktisch allen Bereichen und leicht realitätsferne Vermittlungsvorschläge ins 3-Schicht-System für 450 € am Ende der Welt, ganz zu schweigen von der permanent schwappenden Antragsflut, die ausgefüllt, mit Nachweisen und Bescheinigungen versehen und abgeschickt werden will.

Dazu kommen noch Kind und Hund (zugegeben, letzterer ist ein selbstgewähltes Schicksal, aber für mich eben AUCH ein Familienmitglied, dass nicht abgeschoben wird).

Alles in allem 24/7/365.

Es wäre ein TRAUM, acht Stunden arbeiten zu gehen und danach den Bimmbamm baumeln zu lassen!

Advertisements

Jobcenter Segeberg verschickt Umzugsaufforderung wegen 1,78 € zu hoher Miete

Die faulen Sozialschmarotzer übertreiben doch alle. So schlimm kann es mit dem JobCenter doch nicht sein. Das ist ja immerhin eine staatliche Behörde, und die müssen sich an Gesetze halten.

Denkste!
Entweder kennen einige Mitarbeiter die Gesetze nicht oder sie werden vorsätzlich ignoriert.

Sozialberatung Kiel

(c) Dr. Klaus-Uwe Gerhardt / pixelio.de (c) Dr. Klaus-Uwe Gerhardt / pixelio.de

Eine Alleinerziehende Mutter und ihre zwei Kinder, die in Norderstedt in einer 68 Quadratmeter großen Wohnung leben, sind vom Jobcenter Segeberg mit Schreiben vom 18.03.2014 aufgefordert worden, ihre Unterkunftskosten unter anderem durch einen Umzug zu senken, weil ihre Miete 1,78 € über der vom Jobcenter als maßgeblich erachteten Mietobergrenze liegt. Wörtlich heiß es in dem Aufforderungsschreiben:

„Da ich nicht dauerhaft aus Mitteln des SGB II unangemessen hohe Unterkunftskosten zahlen darf, sollten Sie sich darum bemühen, Ihre Unterkunftskosten durch Wohnungswechsel, durch Untervermietung oder auf andere Weise zu senken.“

Weiter führt die Behörde in ihrer Senkungsaufforderung aus: „Nicht angemessenen Mieten können in der Regel längstens für drei Monate anerkannt werden (§ 22 Abs. 1 SGB II). Damit sind ab dem 01.08.2014 nur noch die angemessenen Kosten der Berechnung der Leistungen zu berücksichtigen.“

Wenn es nicht so traurig wäre, man müsste lachen: Eine Umzugsaufforderung wegen 1,78 €…

Ursprünglichen Post anzeigen 170 weitere Wörter


Sehr geehrte Frau Lösekrug-Möller,

nachdem Sie bei der gestrigen öffentlichen Sitzung des Petitionsausschusses offensichtlich eher mäßig vorbereitet waren (nicht zu wissen, dass bei einer Vollsanktionierung auch die Bezahlung der Krankenkassenbeiträge eingestellt wird, spricht für sich) und, ganz auf SPD-Linie, wenig Empathie für Menschen zeigten, die, aus welchen Gründen auch immer, keine Arbeit bekommen, lade ich Sie ganz herzlich dazu ein, einen Tag mit mir zu verbringen.

Ich würde Sie bitten, mich auf das JobCenter zu begleiten und sich ganz genau die Eingliederungsvereinbarung durchzulesen, die ich unterschreiben muss. Ich erläutere Ihnen gerne detailliert die Punkte, die mit dem Grundgesetz kollidieren, falls Sie, ganz auf SPD-Linie, nicht in der Lage sind, sie selbständig zu entdecken.

Anschließend würden wir gemeinsam die Lage am hiesigen Arbeitsmarkt sondieren, und zwar für alleinerziehende Mütter ohne Familie in der näheren Umgebung, mit eingeschränkten Betreuungsmöglichkeiten, auf dem platten Land und einem Beruf, in dem zum größten Teil vorausgesetzt wird, dass frau von Montag morgens um 6.00 Uhr bis Samstag abends um 22.30 Uhr verfügbar sein muss, selbst wenn es sich nur um einen Mini-Job handelt.

Und dann, liebe Frau Lösekrug-Möller, erklären Sie mir, warum ich der Sozial-Schmarotzer bin, der nicht arbeiten will. Warum ich sanktioniert werden muss, wenn ich mich weigere, zum fünften Mal in einem Jahr die gleiche Einzelhandelskette mit einer Bewerbung zu traktieren, in dem Wissen, dass ich die Arbeitszeiten sowieso nicht in dem geforderten Maße bringen kann und mir die Möglichkeit verbaue, mich überhaupt jemals wieder bei dieser Einzelhandelkette bewerben zu können, weil ich die Personalabteilung schlicht und ergreifend nerve.

Und wenn Sie mir das alles dargelegt haben, lade ich Sie gerne auf einen Kaffee ein. Bei mir zuhause, versteht sich, denn für ein Cafe fehlt mir das Geld. Falls Sie Ihren Kaffee mit Milch trinken, sollten Sie einen starken Magen mitbringen, mein Kühlschrank ist nämlich seit einigen Wochen defekt. Aber die neuerdings komplett zu Tode pasteurisierte „frische“ Vollmilch ist um diese Jahreszeit durchaus einige Tage ungekühlt genießbar. Jedenfalls sind meine Tochter und ich davon noch nicht krank geworden.

Bei der Gelegenheit kann ich Ihnen dann vorrechnen, warum ein neuer Kühlschrank nicht drin ist, obwohl ich ja angehalten bin, einen Teil der Regelleistungen für solche Fälle zurückzulegen. Das Problem ist nämlich nicht meine mangelnde Fähigkeit, verantwortungsvoll mit Geld umzugehen, sondern die eher unrealistische Berechnung von Heizkosten im Regelsatz sowie den Nachweis über den Stromverbrauch, wenn man mit guten alten Nachtspeicheröfen heizt. Aber das ist ein anderes Thema.

Frau Lösekrug-Möller, ich bitte Sie eindringlich, nehmen Sie endlich die Realität wahr!
Nur ein geringer Prozentsatz von uns ALGII-Empfängern ist wirklich arbeitsunwillig. Alle anderen werden vorsätzlich und gegen das Grundgesetz in Armut und Verzweiflung getrieben, und dem können Sie als Sozialdemokratin nicht zustimmen!

Mit freundlichen Grüßen
die Freibeuterin

Kleines Update:
ich habe eben beschlossen, Frau Lösekrug-Möller direkt per Post anzuschreiben, da die
Einladung durchaus ernst gemeint war. Auf die Antwort bin ich gespannt. 😉


Neues zur Petition 46483 (Abschaffung der Sanktionen in Hartz IV)

Nachdem auch die Schaumburger Piraten fleißig Unterschriften für die Petition zur Abschaffung der Sanktionen in Hartz IV vor dem hiesigen JobCenter gesammelt haben, und die bundesweite Aktion ein voller Erfolg war, geht es nun in die nächste Runde.

Inge Hannemann dankt allen Sammelnden und Unterschreibenden und zieht in ihrem Blog ein Resümee.(Interessant ist übrigens auch der Bericht eines Unterschriftensammelnden am Ende des Artikels. Ich musste seine Erfahrungen ein Stück weit teilen.)

Am 17.3.2014 findet die Anhörung vor dem Petitionsausschuss statt. Die Anhörung ist öffentlich, und wer mag, kann sich anmelden und dabei sein. Weitere Infos dazu gibts hier.